VPKV e. V.
Verein zur Förderung der Methode Puppenspiel
in der Kriminal- und Verkehrsprävention (VPKV)

Landesvertretung Hamburg

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Hamburg Verkehrskasper Fahrzeug
Bild: Hamburger Verkehrskasper – Das Team PK‘in Kerstin Berndt - PHM Patrick Ittrich - PK Jörg Naused

Hamburg ist die Wiege der Polizeipuppenbühnen.

Schon 1948 brachte der Hamburger Verkehrskasper den Kinder das richtige Verhalten im Straßenverkehr bei. Er ist damit der am längsten im aktiven Dienst befindliche „Polizist“ (über 65 Jahre) bei der Hamburger Polizei.

     
Original Hohnsteiner Figuren der frühen Puppenbühne des Hamburger Verkehrskaspers

Aber der Reihe nach: Der damalige Hamburger Polizeichef Bruno Georges hatte ein Problem. Die Verkehrssicherheit wurde im Hamburg der Nachkriegszeit mehr und mehr zu einem Thema. Es gab immer mehr Fahrzeugverkehr und zunehmend Verkehrsunfälle mit Kindern, weil die kleinen Mädchen und Jungen der Kriegsgeneration keinen Individualverkehr kannten. 1948 starben im Hamburger Straßenverkehr schon siebenundsechzig Kinder. Fahrzeuge hatten damals Vorrang – zur Not mussten Fußgänger und Radfahrer weichen! Es gab auch keine Fußgängerampeln oder Zebrastreifen wie wir sie heute überall in der Stadt kennen. Zwar wurde schon 1922 am zentralen Hamburger Stephansplatz die erste Verkehrsampel Deutschlands aufgestellt, aber die war für die Straßenbahn. Erst 1958 gab es die erste Ampel für den Autoverkehr in der Hansestadt, heute sind es über 1.700!

Georges schlug seinerzeit vor, die Ansprache der Kinder mit einer Märchenfigur zu probieren, mit einem Verkehrskasper. Vorab hatte es sich mit Schulträgern abgestimmt, wobei man dem Vorhaben dort sehr kritisch gegenüber stand. Eine glückliche Fügung hatte auch Max Jacob (Gründer des Hohnsteiner Puppenspiels) nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hamburg ziehen lassen. Jacob traf dort auf den Polizisten Heinz Krause und lehrte ihn das klassische Guckkastenbühnenspiel mit Hohnsteiner Holzkopffiguren. Die Beziehung der beiden dauerte Jahre an. Krause wusste natürlich von der Idee seines Polizeipräsidenten und war von der Wirkung des Handpuppenspiels so begeistert, dass er seinen Puppen einen verkehrspädagogischen Zweck verordnete – das war die Geburtsstunde des Hamburger Verkehrskaspers. Zu Beginn waren natürlich noch die vom Jahrmarktstheater bekannten Figuren, wie der Verkehrsteufel, das Krokodil, Seppel, die Oma und natürlich der Kasper im Fundus. Im Laufe der Folgejahre sorgte Max Jacob aber dafür, dass der Polizeiverkehrskasper an Profil gewann und der ursprüngliche Jahrmarktskasper mehr und mehr verblasste. Auch Pädagogen und Schulleitungen rieten dazu, die bestehenden Stücke so nach und nach der aktuellen Pädagogik anzupassen und Bestrafungen der Puppen per Klatsche oder das Erzeugern von Ängsten bei den Kindern zu unterlassen. Die Polizeibehörde nahm diese Anregungen ernst und entsandte 1950 den Beamten Hans Wolpert zur Hohnsteiner Puppenbühne um ihn dort als Multiplikator für andere Bühnenmitglieder ausbilden zu lassen. Seinerzeit waren die Puppenspieler noch als mobile Bühne (mit dem Kasperwagen) unterwegs. Im Januar 1951 konnte man schon eintausend Vorstellungen verbuchen und 1952 war die Nachfrage so groß, dass man einen zweites Bühnenteam bildete. Die Polizisten fuhren seinerzeit mit dem “Kasperwagen“ durch die Stadt und sammelten die Kinder per Lautsprecherdurchsagen zu den Präsentationen ein, welche an bestimmten Plätzen (u.a. Rathausmarkt, Stadtparkwiese, Hagenbecks Tierpark) in der Stadt stattfanden.

Einen kleinen Eindruck vermittelt ein altes Video aus dem Jahr 1959.

 
Zum Video auf YouTube

Derzeit sind es acht Polizisten, die ihrer Arbeit als Verkehrslehrer und Puppenspieler in Hamburg nachgehen. Täglich besuchen sie Grundschulen und führen mehrmals täglich selbst ausgedachte Lehrstücke auf, an denen die Kinder aktiv teilnehmen. Nicht nur an den ca. 250 Grundschulen und in etlichen Kindergärten, sondern (seit März 2002) auch im eigenen Theater an der Dienststelle in der Glacischaussee, das 60 Plätze aufweist (dort finden auf Nachfrage Vorstellungen für Kinder ab 5 Jahren statt) oder bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen in der ganzen Stadt. Auch die Bühnenbilder für die “Kasperstadt“ und die Requisiten basteln die Schutzleute in ihrer Dienststelle selbst. Natürlich haben sich nicht nur die Themen (Spielstücke) seit 1948 ständig gewandelt, auch die Spielfiguren wurden inzwischen ersetzt.

 
Bilder: Hamburger Verkehrskasper